Dez 122010
 

Wie stellt man Worte dar? Wie kann fängt man etwas mit der Linse ein, das keine sichtbare Spuren im Äther hinterlässt? Sicher gar nicht – man versuche es erst gar nicht!

Und doch, als am Donnerstag, den 9.12.210 der Slam Bremen einlud, musste ich spontan dabei sein – und es einfach ausprobieren: Bilder sind (doch) nur die Forführung der Worte mit anderen Mitteln. (sehr frei nach Clausewitz) – Aber ist es mir gelungen? Urteilt selbst! Und lasst mich eure Meinung wissen.

Was aber ist überhaupt ein “poetry slam” ? Ich gebe mich faul und mag lieber den Wikipedia-Eintrag zum Thema zitieren:

Ein Poetry Slam (sinngemäß: Dichterwettstreit oder Dichterschlacht) ist ein literarischen Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Die Veranstaltungsform entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den neunziger Jahren weltweit, allein in Deutschland fanden 2009 an über 100 Veranstaltungsorten regelmäßige Poetry Slams statt.

Es gibt derzeit sogar zwei derartige Veranstaltungen in der Hanse-Stadt: Einmal den Slam Bremen in Kulturzentrum “Lagerhaus” und das Slammerfilet im “Tower” (nächster Termin: 16.12.2010!). Es sei gewarnt – und auch auf dieser Seite – denn ein Slam ist nichts für die Freunde höchster Kultursprache. Man darf brachial sein, und dem deutschen Sprachgebrauch wird auch das Lieblingswort mit S immer wieder gerne entnommen.

Für alle Fotointeressierten: Die Lichtbedingungen waren schlecht. Wirklich schlecht. Blitz stand ausser Frage, und so hatte ich nur die Wahl, die ISO-Einstellung meiner Kamera hochzufahren… und das sieht man. Man sehe es mir nach, oder gebe mir Verbesserungsvorschläge. Kritik ist immer willkommen!

Vorprogramm – Stargast
“Schriftstehler” – Armin Sengbusch
Der Schriftstehler ist Schauspieler, Kabarettist und Musiker mit 20 Jahren Erfahrung, Poetry-Slam-Kenner und Besitzer einer Tasche voll Stadtmeister-Titeln in dieser Kategorie aus verschiedenen Städte Deutschlands. Als Stargast präsentierter er mit Witz und hintergründigem Humor einen Auszug aus seinem Solo-Programm “Emotionales Kabarett” – Hervorgesprudelte Texte, deren Komplexität und Tiefsinnigkeit vermuten lassen würden, dass man sich sowas gar nicht merken kann, Wortspiele, Songs und überhaupt feinste Leckerbissen der deutschen Sprache, auf den Kopf gestellt, gemixt und wieder zusammengesetzt zu einem Programm, das… nun ja, fast möchte man sagen: Perlt. Der Schriftstehler ist sehens- und hörenswert!
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Jens-Hinrich
Seines Zeichens Moderator des Abends, wortgewandter Redner und selbst erfahrener Text-Klopfer
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Daniel
Zum ersten Mal auf der Bühne, zum ersten Mal am Mikrophon, und dennoch überzeugend und bewegend. Klassengesellschaft, blinder Konsum und Bildungsbürgertum werden hervorgezogen und ins grelle Rampenlicht gestellt, zerrieben und zermahlen, wütend, überzeugt und überzeugend. “Scheiße schwimmt oben”
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Stefan Krankenkasse Flieger
“Die Weihnachtsmaus – Ein etwas anderes Gedicht” und darauf folgend eine Auseinandersetzung damit, wie eine Frage eine (ohnehin schon beschädigte?) Beziehung zerstören kann. Farbenfroh, brachial und mit schwarzem Humor gespickt.
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Seb
“Scheiß auf Du bist Deutschland” – Wie war es eigentlich, als man noch offline war? Was haben wir gewonnen? Was haben wir verloren? Und ist jetzt alles besser? Oder schalten wir am Wochenende doch lieber einmal Twitter, Facebook und Co. ab und verschwinden nach draußen? Ganz ohne?
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Sascha Mühlenbeck
über die grrrrrausame Epedemie die Deutschland heimsucht: Dummheit! “Durch permanente Wiederholung wird Dummheit salonfähig.” Eine spitze Zunge, eine mitreißende Bühnenpräsenz, und den Zuschauern und -hörern aus dem Herzen gesprochen: Gründe genug für die Publikumsjury sich auf seine Seite zu schlagen und ihm die Krone des Abends und den Gewinn des Slams zu verpassen!
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Kevin Heil
“Huaahaapaffkrd” – “Ich dreh mich, dreh mich, dreh mich, dreh mich…” und er tut es auch, taumelt über die Bühne, verrenkt sich und bricht fast zusammen, zerfleischt sich fast mit Worten darüber. Die – im wahrsten Sinne des Wortes – verrückteste Performance des Abends, ein Tanz an der Grenze zum Wahnsinn der dort lauert, wo die Realität der Welt die Vorstellungskraft eines Kindes zu sprengen droht.
Und dennoch, ein zweites Stück: “Das Leben ist ein Weg der gegangen werde muss”
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Rita – “Frau A aus B”
Wie viele der Slammer des Abends ein bekanntes Gesicht, trat sie mit “Gemischten Kleinigkeiten” an: “In der Weihnachtsschlachterei”, ein schwarzes Humorstück auf das beliebte Kinderlied “In der Weihnachtsbäckerei” — ein Lied, übrigens, das vorher von einem Mitglied der Publikumsjury gesungen werden musste, weil er sein Handy vergessen hatte auszustellen.
Als Krönung eine weitere wahre Begebenheit des Abends (“bei Künstlern ist das immer alles wirklich passiert…” – Schriftstehler): “Das Radrennen” das den Zuhörer am Ende mit einem gezielten Twist aus dem Gleichgewicht bringt… und plötzlich alles anders aussehen lässt.
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Daniel
noch einmal, aus der Finalrunde: Eine wütende Performance, eine tiefgreifende, (fast) hassende Performance – Tirade an den Vater? – Und dennoch, wir werden es eines Tages besser machen…
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Das ganze Set Bilder findet sich noch einmal hier auf dem Flickr-Account von BREportage.

Und beim nächsten Mal!? Mal sehen, die Quadratur des Kreise lockt doch immer. Können Worte nun in Bildern gefangen werden?