Moderator Jens-Hinrich trifft auch wiederholt ein schweres Schicksal: Erst muss er sich von mir ein Bild vorführen lassen, das ihm gar nicht behagt. Dann noch einmal… und bittet mich, dieses zu entfernen. Dann lässt der Stargast auf sich warten, und das bis kurz nach Einlass. Und dann wird sein Herz auch noch mit einem Bühnenprogramm belastet, das ich als eines der vielfältigsten der bisher beim Slam gesehenen erachte, gekrönt von einem Zweier-Finale, das einen auf das Finale unvorbereiteten Slam-Neuling gegen einen Titanen der Runde antretenließ. Und es soll seine Schuld nicht gewesen sein, dass Erfahrung über einen letztenendes dennoch gigantischen Erstlingserfolg triumphierte. Denn beide rockten. Wirklich.
Die Webseite des Slams (mit der Wertung) findet sich hier: Slam Bremen
Nebenbei fand ich es sehr freundlich von Jens-Hinrich, diesen Blog noch einmal vorzustellen und mich als Fotografen “schon etabliert” zu nennen. So sehr mich nette Worte auch freuen, so sehr muss ich doch zuschauen, dass ich hier die entsprechenden Dinge liefere, und vor allem in der nächsten Zeit anfange, meinem eigenen Anspruch von der BREportage gerecht zu werden!
Doch nun zu den Fotos – die sich alle (und noch mehr!) auf dem BREportage-Flickr-Account finden.
Vorprogramm/Stargast
Marian Heuser
Sehr erfahrener Slammer, selbst regelmäßig Moderator zweier Slams, gewitzte, witzige Zunge auf der Bühne mit reichlicher Bühnenpräsenz und keiner Scheu vor dem Publikum, aber ohne Pathos: Da reicht das Programm vom Gereimtem bis zu Kurzgeschichten, nur ganz kurz an der politischen Korrektheit vorbei, aber mit einem scharfen Zunge, die die ungeahnten Fallstricke der Welt offen legen: Was, wenn die Wände in der Wohnung wirklich zu dünn sind, und die Untermieterin einen Porno-Dreh im Schlafzimmer vermutet? Wie wäscht man als Zuvieldienstleistender zusammen mit “dem Neuen”, Faisal aus Marokko, den bettlägerigen Alt-Nazi?

Annabella
Eröffnete den Slam mit einem Text auf die “scheiß Bonzenkinder” mit ihren teuren Autos. Und kann doch drüber lachen. Na wenigstens…

Jana
Zwei Texte einer Erst-Slammerin, und obgleich der zweite Text in einer skurrilen Suche nach der Antwort auf die Frage “Wer bin ich?” verlief, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Dass gerade die Pommesbude die Antwort bereithält, war dann doch ein gekonnter Dreh: “Sie ist die Brat”, lässt die Verkäuferin verlautbaren.

Daniel
Brachte einen wunderschönen Traum mit auf die Bühne – und ich traute meinen Ohren kaum, war ich doch bisher eher wütende Texte von Daniel gewohnt… aber irgendwie scheint soetwas doch nicht in seine Welt zu passen, denn am Ende ist alles nur ein Traum.

Prinzessin Mütze
“Sechs Uhr Fünfundzwanzig” (oder schreibt man das in Nummern?), ist ihr erster Slam-Text: Über Schlaflosigkeit und Aufwachen, Einschlafen und Träumen, über die Suche danach und der Flucht davor.

Kai Nesau
Reiste mit der Zeitleiste zum Niedergang des “Germanism” an, jener aussterbenden Sprache also, deren einmal die meisten Bewohner des Staatgebietes mächtig waren.

Seb
Sebs erster Slam-Text mit “Win-Win-Situation” inklusive bestand darin, dass wir, seine Zuschauer, gewinnen konnten, wenn wir die Anzahl der Talk-, Reality-, Game- und Gerichtsshows richtig beziffern konnten, die er in seinem Text beinhaltet hatte (seine 26 Shows hat wohl dann entweder niemand richtig gezählt, oder dann doch vergessen… schade um den Preis!). Oh, und für ihn? Auf dass wir – und die Jury – ihm die nötigen Punkte geben würden, damit er gewinnt!
Beeindruckender Text mit feschen Reimen.

Jakob
Da fällt ein Meteorit… und er brennt noch, als er auf der Bühne aufschlägt. Zum ersten Mal beim Slam dabei, rockte Jakob die Bühne genug um von der Jury mit Punkten überhäuft zu werden, und später als erster ins Final-Stechen einzuziehen. Und traute sich, was sich nicht sehr viele trauen: Anzukündigen, dass er sich mit seinem letzten Stück auch noch “zum Affen” machen würde. Und das tat er nicht, wenngleich seine Performance sicherlich das witzige Element nicht verleugnen konnte.

Sven
Wider dem Tanzfaschismus: Tanze wie Du willst, wichtig ist nur, dass Du tanzt! Vergiss Deinen Boss; meinst Du, dass er Dich wegen eines fiesen Tanzschrittes auf dem Dancefloor rauskantet?

etta streicher
(Oder kann ich den Namen groß schreiben?)
Mit Sicherheit der sinnlichste und erotischste Text, der jemals beim Slam im Lagerhaus aufgeführt worden ist: Über und unter die Haut, was sie mag, was sie kann, und was sie nie tun wird: “Kann nicht raus aus meiner Haut. [...] Häute mich nicht.”
Untermalt von live erzeugten Klangloops von der Kondomsaite und Geräuschen aus der Klangbox. Das klingt alles sehr, sehr profan in meinen Worten, aber ich denke, dass die Anwesenden mir recht geben würden, dass sich das Stück einfach nicht noch einmal in fremden Worten wiedergeben lässt.
Die Frau ist übrigens auch über die Seite ihrer Künstler-Agentur zu finden, denn was sie im Lagerhaus aufgeführt hat, würde eigentlich zu ihrer eher abendfüllenden Show gehören.

Sascha Mühlenbeck
“Eine Reise in die Welt des Kaffees, Teil 1 von 736″ – Über die diverse Archetypen des Starbucks-Käufers, der ja eigentlich gar nicht dort kaufen will… oder wenn doch, es sich doch bitte vorher überlegen sollte, was er will, und vor allem, bitte, sich nicht anmerken lassen sollte, wie ungern er Starbucks’ Kaffee trinkt anstatt den preiswerteren vom Kiosk. “Merk mal was!”

Kerrin
Ode an den üblen Deutschlehrer… und seine verzwickte Literatur. Und warum können Pädagogen nicht einmal geradezu und gemein sein? Und dennoch… eigentlich lieben wir sie ja doch.

Torben Willmer
“Mama und Papa sind stolz auf Dich” – Von der Wiege bis zur Bahre, sind sie das meistens – oder Du auf Deine Kinder. Am Anfang wie am Ende, weisst Du eins: Du willst etwas, Du hast die Macht, und Du bekommst etwas… am Ende ist es sogar noch einfacher als am Anfang, denn jetzt muss Du nicht mehr schreien, jetzt hast Du einen Klingelknopf.

Götz Paschen
Kam mit einer kleinen Geschichte über die Unwägbarkeiten eines Staus und die Verwicklungen eines dringend nötigen Geschäftes im Stop-And-Go… als Frau!


Der Gewinner
Und der finale Schlag Svens, der Jakob – trotz dessen, mangels Vorbereitung, auf die Schnelle aus dem Hut gezogenen Raps – einfach aus der Bahn bowlte und – kraft Svens Erfahrung und eines mitreißenden Songs – einfach abrockte. Ich konnte nur staunen als Sven “und ein Block mit dünnen Linien drauf” das Publikum aufpeitschte, und ja, zum Rasen brachte. “Eiskalt erkauft”, dachte ich mir, “Ein solcher Song MUSS einfach einschlagen”, aber mit welchem Recht kann man einem Mann mit einer solchen Performance abstreiten wollen, dass er etwas geschafft hat, das sonst niemand vor ihm im Lagerhaus schaffte? Mein Foto wird Svens Show nicht im Geringsten gerecht, aber hier ein – wie gesagt, sehr dürftiger letzter Blick auf das Spektakel:

Hier noch einmal der vollständige Link zum Fotoset mit zusätzlichen Bildern auf dem BREportage-Flickr.
Lasst mich wissen, was ihr denkt, und mailt mich an, wenn ihr Bilder von euch haben wollt!









