Slam Bremen im Lagerhaus, vom 14. April 2011
Star-Gast
Kersten Flenter
Kersten ist eine ruhige Bühnenpräsenz, und das im Besten Sinne des Wortes. Hinter der Bühne ebenso freundlich wie ruhig ist er auf der Bühne der geborene Leser und Vorträger. Er hatte Ausschnitte aus seinem Soloprogramm “Die Fetten Haare Sind Gewaschen” dabei und laß auch Kurzgeschichten (und Romananfänge) aus seinem neuesten Buch “Peinliche Gewinner” (könnte man unter Anderem hier erwerben). Und die Geschichten, die er erzählt, mögen bisweilen melancholisch, nie aber melodramatisch sein. Mir jedenfalls schien es, dass sie immer ein scharfer, bisweilen tiefer Blick in die Abgründe des (modernen) Lebens sind, und die haben mich nachdenklich zurückgelassen. Nicht, dass ich wirklich die Zeit dazu gehabt hätte…
Kerstens Webseite findet ihr hier (klicki!)


Rita
Das schwere Los des Ersten des Abends traf diesmal Rita, die mit ihrer ruhigen Art bestens den Übergang von Kersten in den Slam baute und auf ihre sehr eigene Art in die Rolle einer Frau schlüpfte, an der wir uns alle ein Beispiel nehmen würden, denn Geld hat bekanntlich noch niemanden glücklich gemacht, und nicht alle Menschen sind schlecht… Ein bisschen Vertrauen in die netten Mitmenschen, die für ein geringes Entgeld ihre Hilfe beim Wechsel auf Ökostrom, Ökowasser und die dazu nötigen (natürlichen staubfreie) Umrüstung aller Leistungen, Steckdosen und Armaturen anbieten, hat offenbar noch niemandem geschadet. Die Welt gehört den Naiven!

Klaas
… nutzte die Gunst der gerade geschriebenen Abiturprüfungen aus, um mit einer Analyse der verschiedenen Typen des “schwierigen” Lehrers eine kurze Abrechnung mit eben jenen zu liefern.

Jana
… brachte einen Text über eine junge Schauspielerin mit, der eine dreifache Welt entwirft: Die des Schauspiels, die Realität des Zuschauers, und die innere Welt der Schauspielerin selbst.

Annika Blanke
Ich war… unbeeindruckt, als Annika auf die Bühne trat. Zutiefst unbeeindruckt: “Ich habe Angst… Ich habe Angst. Ich habe Angst…” Au Backe…
Vom nächsten Wort an, jedoch, waren plötzlich meine Zweifel wie weggewischt. Denn in Wahrheit rockt Annika bedeutend härter als man ihr zutrauen würde, spricht schneller, als sie können dürfte und wirft mit feinsten Slammaterial nur so um sich: “Metrophobie” ebnete ihr den Weg ins Finale, und “3 Minuten” brachte sie in drei Minuten (echt wahr!) aufs finale Doppeltreppchen zusammen mit dem unvergleichlichen Sven.
Ja, ich habe Annikas CD erworben. Und ihr solltet das auch… zumindest finde ich das. *hust* Also, zum Abschluss meiner ungemein überzeugenden Rede hier der Link zu Annikas Webseite! Denn man soll sich nicht täuschen lassen, Angst scheint die Damen vor wenig zu haben, vor allem nicht vor großen Bühnen und Augen, die sie anstarren!

BLOWM
“Wichtig ist, dass man von der Seite reinkommt!” Sehr richtig, und BLOWM kommt von der Seite rein: BLOWM rappt. Der Mann hat ein schnelles Mundwerk (wenn auch nicht das schnellste des Abends) und auch wenn er den Text vergisst, macht er weiter, und das mit Volldampf. Das selbsternannte “Bremer Freestyle-Monster” haut flotte Reime am Stück heraus und scheint im Endeffekt fast die volle Zeit mit Improvisation zu füllen – oder aber er verkauft sie geschickt als solche! Notieren… der Mann könnte noch einmal irgendwo auftauchen. Zum Beispiel hier.
Als fotografische Randnotiz: Wenn Powerpakete wie BLOWM über die Bühne springen lässt mich schon einmal der Autofokus im Stich. Und das ist schade, denn visuell, bühnen-energetisch gesprochen, war BLOWM garantiert der Kracher des Abends. Wozu hat man eine ganze Bühne, wenn man sie nicht nutzt?

Annabella
Zum dritten Mal beim Slam dabei und dennoch nervös, aber mit einem Liebesgedicht in der Tasche. Man muss nicht immer witzig sein.

Sven
Auch Großmeister haben manchmal Lampenfieber und müssen ihren Text im letzten Augenblick noch einmal lesen…

Wenn dieser Mann auf die Bühne geht, dann bleibt im Allgemeinen kein Auge trocken. Das ist ein Fakt. Nicht weil Sven nur witzige Slamstücke produzieren würde, sondern weil seine Auftritte Naturgewalten sind… und das ändert sich auch nicht, wenn er einmal sitzt.
“Vom Tüddelband zum Galgenstrick: Eine Analyse” musste einfach im Sitzen verlesen werden: Sven hatte sich das plattdeutsche Lied “An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband” geschnappt und es fachmännisch und tiefgreifend analysiert. Dass das Ganze beträchtlich aus dem Ruder laufen musste, war klar, und durfte auch in bester Sven-Manier nicht ohne sehr ernstes Augenzwinkern abgehen. Dass man mit Soziologie eine Slam gewinnen kann, scheint damit bewiesen… oder fast.
Denn eins stand noch an: Das Viererfinale gegen Sascha Mühlenbeck, Seb und Annika: “Habt ihr schon mal alles Anders gemacht?” Nein, Sven, so noch nie. Denn wer die Bühne verlässt, an der Bar Cola trinkt, hinter einem Pfeiler singt und im Publikum herumpoltert, kann damit rechnen, dass das so noch nie einer vor ihm gemacht hat. Dem Manne scheinen die Ideen einfach nicht auszugehen!
Übrigens ein dickes Dankeschön an Sven dafür, dass er saß wo er saß, und dass er es mich in der Paus wissen ließ, so dass ich genügend Zeit hatte, mich auf der anderen Seite der Bühne hinter einem Pfeiler zu verstecken. Hier also die einzigen Fotos vom ganzen Slam aus der entgegengesetzten Blickrichtung. Notiz für’s nächste Mal: Das geht auch für andere Leute, die da sitzen…


Timo von und zu Dare Deep
“Timo, das bin ich, so haben meine Eltern mich genannt, “von und zu” hab ich mir ausgedacht, so à la Guttenberg, und Dare Deep ist meine Band.” – Mit Bandmitglied/Songschreiber im Publikum brachte er die ganze Verstärkertechnik mit, die alle anderen nicht brauchten und produzierte dann zwei nette, fast poppige Lieder – Ja, es gefiel (mir!).

Sascha Mühlenbeck
Noch so’n alter Hüpfer… ähm, Senior-Slammer. Fast, zumindest, und mit den Aktivitäten auf anderen Slams und ähnlichen Veranstaltungen in den letzten Wochen scheint er zumindest auf dem besten Wege dazu zu sein, wie geträumt eines Tages das Olympiastadion in Berlin zu füllen…
Was ihn nicht davon abhielt, über Individualismus zu philosophieren und zu überlegen, wann allgegenwärtiger Individualismus als Gegenreaktion zum “Mainstream” dann doch nur wieder Mainstream wird…
“Ja! Wir sind alle Individuen!” – “Und ihr seid alle voellig verschieden!” – “Ja! Wir sind alle völlig verschieden!” – “Ich nicht!” (Verzeih mir, Brian…)


Emilie
Wild entschlossen, den Stürmen eines Slams zu trotzen, brachte sie für ihren kurz entschlossenen Auftritt einen Text aus der Sicht einer Mutter mit: “Ich bin standhaft.”

Seb
Seit dem März-Slam (bei dem ich nicht anwesend war) darf sich Seb U20-Slam-Meister von Bremen nennen! Nicht aber erst seitdem hat er sich in der Region auf vielen anderen Slams herumgetrieben und war dabei nicht minder erfolgreich. Jetzt ist aber erstmal genug: Für die nächsten paar Monate keine Slams! Darum hatte er eine Abschiedstext mitgebracht und den “im Sprachduktus einer ARD-Tierdokumentation” gehalten: Eine Stadtierdokumentation über Bremen.
Die üblichen Verdächtigen der Slam Bremen bekamen ihr eigenes spezielles Tierchen gewidmet und Seb provozierte einiges an Gelächter mit einem tiefsitzenden Seitenhieb auf Berlusconi, der eigentlich noch nicht ultimativ böse genug ist um als Bösewicht für eine solche Dokumentation herhalten zu können.
Auf ein Neues, auf ein Baldiges! Viel Erfolg im Studium!


Alle Bilder des Abends sind auch wieder auf dem Flickr-Archiv von BREportage zu sehen.
Wer seine Bilder hier sieht und die gerne haben möchte, darf mich gerne anschreiben, meine Adresse findet sich unter dem Kontakt-Reiter oben auf der Webseite!
Freue mich auch so über Kommentare, Kritik oder verbessernde Hinweise
Thomas








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