Nov 202011
 

Diesen Monat wird alles ganz anders. Oder fast. Versprochen. Oder fast.
Denn diesen Monat haben sich ein paar kleine Neuigkeiten auf den Blog eingeschlichen: Die Meinung und Worte Anderer und Bilder von Anderswo, also einmal nicht nur von meinem angestammten Platz im linken Schatten derjenigen Bretter, die beim Slam Bremen die Welt bedeuten. Denn dieses Mal habe ich mich endlich getraut, was ich schon immer hätte tun sollen: Beweg dich, und beweg was!
Als Resultat davon bin ich zufriedener mit den Bildern von dieser November-Ausgabe des Slams, zufrieden wie ich es bisher selten gewesen bin. Aber seht (und kommentiert!) lieber selbst. Viel Freude dabei!

Der unvergleichliche Jens Hinrich, Moderator von Slams Gnaden, hat es sich nicht nehmen lassen die Stargäste des Abends, die (wirklich, wirklich) grandiosen Beatpoeten, auf seine Weise anzukündigen:

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Beatpoeten – zwei Typen

Beatpoeten kurz erklärt und hier auf die Schnelle:
Zwei Typen sind für alles, gegen alles Kommerzielle.

Zwei Typen
beaten Ihre Dichtung,
beaten Hirnen neue Richtung,
lassen Hirne kurz verweilen
zwischen Stühlen – Frische Zeilen.

Zwei Typen
erklären Städte und Stadtteile, Heidi und Gaddafis Rückzug.
Costa macht den Beat, der den Poeten Egge manches Stück trug.

Zwei Typen,
die ein Beben heftig im Gedärm mit jedem Lied lostreten.
Also macht mal kräftig Lärm für die Beatpoeten.

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Und wie klingen die Beatpoeten? Ungefähr (und nur ungefähr!) so:

EP – 4 – Merkel im Nacktscanner, und alle so… by beatpoeten

Und so:

Unterwegs – 1 – Leben im Bücherschrank by beatpoeten

Mehr davon gibt’s übrigens hier.

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Ohne Kaoss Pad (links) und Groovebox keine Beats – Ohne Beats keine Lyrik.

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Es wird ihnen eine echt große Zukunft vorausgesagt, wenn sie nur elektronische Musik mit Lyrik verbinden…

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Doch jetzt zu diesen Nachwuchsliteraten, diesen Poetry-Slammern! Zum Slam!

Sven Kamin
Irgendwer muss ja immer anfangen, und auch ein Altmeister wie Sven kann da schon mal nervös werden. Die große Frage vor einem Auftritt ist immer, ob das Publikum denn auch auf den Text einsteigen wird, denn Poetry Slam ist keine Comedy-Veranstaltung, und nicht über alle Texte kann man befreiend lachen. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum an diesem Abend nicht ernst sein wollte, und Sven lachte schuldbewusst, hinter der Bühne, kurz vor seinem Auftritt, und knetete seinen Text. Leichte Kost würde das nicht werden.
Denn Sven verbeugte sich an dem Abend vor einem einfachen Mann, der tiefe Spuren in ihm hinterlassen hat, wie die Stollen seiner Schuhe im Rasen: “Trainer”.
Ich sollte jedoch nicht recht behalten, denn das Publikum wusste Svens Auftritt sehr wohl zu würdigen, und schickte ihn ins Finale. Mit seinem Brief an seinen Mobilfunkanbieter über die wahnsinnig machenden Umstände bei der Buchung seines neuen Handytarifes (das ist alles so passiert, bei Poetry-Slammern ist das immer alles so passiert) traf er dann doch den Lachnerv der Zuschauer und wurde schlussendlich Dritter.
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Papierflügel
Hatte sich entschieden, dieses Mal alles umzukrempeln, und von der einzigartigen Regel beim Slam Bremen gebrauch zu machen: Dass es nämlich keine Regel gibt, die einschränkt, was und wie man auf der Bühne präsentieren darf. Also hielt er uns einen Vortrag über Haie, setzte sich aber dabei die Schwierigkeit, eine Technik namens Pecha Kucha zu verwenden: 20 Bilder, je 20 Sekunden Zeit bevor die Präsentation unweigerlich ein Bild weiterspringen würde. Auf der Bühne im Sea Sheperds-T-Shirt hielt er einen passionierten Vortrag. Pecha Kucha hat, meiner Meinung nach, dem Vortrag eine sportliche Dimension und Herausforderung gegeben, jedoch scheint die Technik schwer zu meistern, und ein freier Vortrag hätte dem Thema möglicherweise besser zu Gesicht gestanden.
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Dennis Schmidt
Dennis stand an diesem Abend zum ersten Mal auf der Bühne und hatte zwei Texte dabei: Einer über die Vergangenheit, die dort, wo sie jetzt ist, am Besten aufgehoben ist: Weit weg. Sein zweiter Text handelte von Eifersucht.
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Rita
hatte mit ihrem satirischen “In der Brennpunktschule” die Lacher auf ihrer Seite. Dass Satire nicht politisch korrekt sein muss (oder vielleicht sogar gar nicht sein sollte?) und dabei auch noch selbst-ironisch sein kann, macht es zu einem kurzweiligen Auftritt, und das Publikum wollte Rita offenbar im Finale wiedersehen. Dort las sie, in der Tradition des späten Ulrich Reineking und seines “Kabarett der literarischen Gewalttätigkeiten”, einen für den November traditionellen Text über den Blues: “Du kannst den Blues nicht singen wenn du Florian heißt und deine Eltern einen Gärtner beschäftigen. Aber du kannst den Blues singen, wenn du Harry heißt und jeden Morgen deine Schlafstätte schleunigst verlassen musst, bevor der Gärtner dich erwischt.” Das Publikum bestimmte bei der finalen Applaus-Abstimmung für Rita den zweiten Platz des Abends.
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Herdis
In ihrem Text “Viel zu schnell” erzählte sie von einer kurzen, stürmischen Liebesbeziehung, die aufflammt und sofort verbrennt, zuende geht bevor sie ganz begonnen hat, und deren Asche Wind davon geweht wird, und nichts zurück lässt, noch nicht einmal Namen.
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Ich hatte mir den ganzen Abend lang den Kopf darüber zerbrochen, wer oder was sich hinter diesem Namen verstecken würde, bis es mir – oh langsames Gehirn! – dämmerte, dass in wenigen Momenten der einzig wahre BLOWM! auf die Bühne springen würde. Bei seinem letzten Auftritt im Lagerhaus im April 2011 hatte ich ihm bescheinigt, ein energetisches Powerpaket zu sein, doch auch ein Künstler kann einmal daneben tappen: Den ersten Teil hatte er nach eigener Aussage einfach in den Sand gesetzt. Aber mit dem zweiten Teil, “Wat mutt dat mutt”, einem Rap op Platt konnte er seinen Auftritt noch einmal herumreißen. Und das Ganze klingt so:

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Kevin
legte mit einem Rap zu Sammy Deluxe’s “Sensationell” das Tempo für seinen Auftritt vor: Double Time, doppelt so schnell wie der Beat, gut zum Warmwerden (Notiz für das nächste Referat: Eine Rap-Einlage verbessert vielleicht nicht die Note, bei entsprechendem Talent aber classroom cred und erkauft den Gutwillen der Zuhörer).
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“Und dann hab ich hier noch was mitgebracht was eher so Poetry-Slam-mäßig ist und vielleicht auch der intellektuellen Elite hier noch was bringt.” Das Ergebnis davon heißt “Treiben (lassen)” und nach einigem verlegenen Herumblättern erzählte er vom frühmorgendlichen Treibenlassen durch die Welt auf dem Weg zurück vom Feiern nachhause.
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Anika Blanke
“Von Fußballfeldern und Farbpigmenten” ist ein köstlicher Text darüber, was sich Anika unter Romantik vorstellt, und es ist einfach nur amüsant, wenn eine Expedition in die Absurdigkeit der Aussage, ihre Augen wären “so tief wie der Ozean” zu einer tiefgreifenden lexikalischen Ausführung wird, und sie am Ende, im Angesicht des Fleurop-Mannes, der verzweifelt versucht hat, seinen Blumen-Auftrag auszuführen, dazu hinreißen lässt, sich in dessen tiefblaue Augen zu vergucken.
Mit “Soviel ich weiß” dachte sie darüber nach, was es in der Welt zu wissen gibt, und was es zu beschreiben gilt, und was sie lieber gar nicht wissen möchte. Dass die Welt voller Wissen ist, sie aber hofft, nie die falschen Fragen zur falschen Zeit gestellt zu bekommen, wenn sie doch lieber wie Karlsson vom Dach, auf Flügeln aus Fantasie, zu Boden schweben würde, wenn der Fall nach dem Hohen Mut kommt.
Das Publikum war zu Recht begeistert, und überhäufte Anika in der Vorrunde wie im Finale mit Punkten, und wählte sie am Ende zum Gewinner der November-Ausgabe des Bremen Slam!
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Alles in allem war dies eine wunderschöne, runde Veranstaltung mit tollen Höhepunkten. Solche Slams darf es immer gerne geben!

Wenn ihr noch nicht genug habt, gibt es wie immer auch bei Flickr noch mehr Bilder, vor allem von den Beatpoeten.

Wie hat euch die Berichterstattung und die Bilder von diesem Slam gefallen? Möchtet ihr beim nächsten Mal mehr hören, weniger sehen, mehr oder weniger lesen? Lasst es mich wissen!